I.
Wenn ich in den Nachthimmel schaue, spüre ich ein sentimentales Gefühl von Heimat. Ein Angekommen-Sein an sich. Die Schwankungen des Alltags verblassen vor der Majestät, die ich ja zugleich selber bin. In solchen Momenten wird mir bewußt, wie kleinkrämerisch unser Tun und Denken verläuft, als könnte man an der großen Un-Ordnung drehen. Es stellt sich so etwas wie ’sinnlose Freiheit‘ ein.
Dieses Gefühl ist kaum in der Kunst wiederzugeben, und es kann nur darum gehen einen Hinweis aufzustellen: ‚Hier gehts zum Un-Sinn‘. Dabei sollten Form und Inhalt erkennbar gegeneinander verschoben sein. Dies ist eine Möglichkeit die Grundlagen unsere Annahmen in Frage zu stellen.
II.
Vor dem Modell von Schwarzer Materie, dem Filament des größeren Zusammenhangs, verblasst unsere Selbstherrlichkeit. Wir leben auf dem Punkt irgend eines Satzendes von all dem Geschriebenen dieser Welt. Das soll nicht relativieren, nur die Möglichkeit beleuchten, dass wir als Individuum die Deutungshoheit des Selbstverfassten längst verloren haben. Über KI und deren Algorithmen können aber durchaus neue Zusammenhänge sichtbar gemacht werden, die sich zumindest in Fragmenten verständlich darstellen ließen. Nur, mit der KI verhält es sich wie mit einer Pyramide: Wir wissen nicht wirklich, was im Inneren verbaut ist. Und es wird nicht einfacher, eine derart großes mächtiges Werkzeug unter kapitalistischen Bedingungen aufzubauen. Die dazu gehörige Ethik wird meist nur hypothetisch formuliert, letztlich in resignativer Form, weil sich neue Wirkungsmechanismen bislang immer ihren Weg gebahnt haben. Um es mit Jeff Goldblum zu sagen: ‚Life, uh, found a way‘. (Oha.)
III.
Europa mit seinen Restriktionen wird die Produktivkräfte naturgemäß verlangsamen, bis wir nicht mehr mithalten können. Auch, weil es keinen lukrativen, alternativen Entwurf gibt. Eine Netto-Leistung muss wachsen, solange man im globalen Wirtschaftssystem in Konkurrenz steht, nur so läßt sich Mehrwert generieren. Absurd, wir müssen – wider besseren Wissens – die Welt weiter zerstören, plündern, um nicht unter die Räder zu kommen. Russland spielt dabei keine Rolle, wir haben es verpasst uns als ‚Eurasisches Konglomerat‘ als 3. Weltmacht zu etablieren, aber das war dort, wie wohl auch hier, politisch nicht gewollt. Jetzt streitet man sich um einen vermeintlichen ‚Einflussbereich‘ – lächerlich (im Angesicht der weltpolitischen Situation).
IV.
Erneute despektierliche Äußerungen der derzeitigen Administration in den USA sind durchaus zu verstehen. Das ist nicht neoliberal, das ist gelenkte Wirtschaft basierend auf Innovation, ohne Schadensanalyse. Auch wenn die Form nicht zum Verständnis beiträgt, es steckt schon ein auszumachender Weg dahinter, den wir in Europa gern übersehen. Es ist die merkantilistische Analyse derzeitiger Verhältnisse, mit dem Ergebnis, dass sich jeder Einsatz von Risikokapital lohnt, auch wenn die Chancen erstmal schlecht stehen. In Deutschland sagt dies wirklich keiner gern, aber wir haben vom Ingenieur- und Chemiewissen der 12 dunklen Jahre noch Dekaden wunderbar gelebt (die Grundlagen der Physik fallen vor den 1. Weltkrieg).
V.
Immer wieder wird es Wandel geben, die Schwerindustrie und der Anlagenbau sind in einer Krise, der Markt wird sich bereinigen müssen. Die Autoindustrie trägt schwer an sich selbst und an einem fehlenden Konzept zur individuellen Mobilität. Neue Chemie wohl nicht hier. Letztlich fehlt es an Konzepten und an denen, die sie entwickeln sollen. Also: BILDUNG first! Kreative junge Menschen finden und sie auf kreative Schulen schicken, Stipendien für Kinder mit Eltern, die nur ein geringes Einkommen haben, BaFög ausbauen – nicht kürzen! Das sind keine Investition ins Risiko sondern in die Zukunft.
VI.
Darf man noch in den Himmel schauen?, oder ist das die Abwendung von einer Welt, die ihre Erklärungen nach dem Warum nicht gerade offen legt. Aus fragmentarischen Eindrücken ein fließendes Ganzes machen, sie verschmelzen lassen zur ‚Poesie‘ im besten romantischen Sinn. Eine neue Definition von Gesamtkunstwerk, einer absurden Form, bei der ich den Inhalt quasi ’schief‘ anlegen muss, um mit einer Aussage im Metamodernismus sichtbar zu bleiben.
Also Ja!, absurd bleibt es trotz alledem.
(* Über Albert Camus den Titel bei Jürgen Brockmann entliehen)